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Working Capital Management – Warum Start-ups darauf setzen sollten

Ein Fehler, den viele junge Unternehmen machen: Nicht frühzeitig mit Working Capital Management und der Verbesserung des Cashflows auseinandersetzen. Dabei lohnt sich ein tieferer Blick auf das Thema insbesondere für Start-ups, trägt die Optimierung des Working Capitals doch entscheidend zum Unternehmenserfolg bei. Denn: Unternehmen, die wachsen wollen, benötigen freies Kapital. Um Ihr Betriebskapital richtig für Sie arbeiten zu lassen, müssen Sie den Status Quo kennen, den zukünftigen Bedarf ermitteln, eine temporäre Erhöhung des Working Capitals in Betracht ziehen und Möglichkeiten zur Optimierung des Cashflows nutzen.

Start-ups sollten in ihr Working Capital Management investieren. Das schafft Liquidität und überzeugt Investoren.
Start-ups sollten in ihr Working Capital Management investieren. Das schafft Liquidität und überzeugt Investoren.

Das Working Capital hat große Auswirkungen auf unterschiedliche Unternehmensbereiche von den Gehaltszahlungen und Zahlungen etwaiger Lieferantenkosten über die Begleichung der Miete und Stromrechnung bis hin zur Planung eines nachhaltigen Wachstums. Gern wird Working Capital einfach ausgedrückt als die Summe Geld bezeichnet, die zur Begleichung aktueller, kurzfristiger Verpflichtungen zur Verfügung steht. Was Working Capital im Detail eigentlich meint, warum das richtige Management in diesem Aspekt sowie die Optimierung freien Kapitals auch für Start-ups in Wachstumsphasen und Vorbereitung auf die nächste Finanzierungsrunde wichtig ist sowie vieles weitere erklären wir in diesem Artikel.

  • Definition Working Capital

  • Berechnung des Working Capitals

  • Zielsetzung Working Capital Optimierung

  • 5 Gründe zur Erhöhung des Working Capitals

  • Wege zur Erhöhung des Working Capitals

  • Factoring und automatisiertes Mahn- sowie Inkassowesen zur schnellen Optimierung des Working Capitals

Definition Working Capital

Der Begriff Working Capital (Deutsch: „Betriebskapital” oder auch „Nettoumlaufvermögen") bezeichnet die Differenz zwischen den kurzfristigen Verbindlichkeiten eines Unternehmens und seinem kurzfristigen Vermögen. 

Es setzt sich zusammen aus: 

+ Liquiden Mitteln

+ Forderungen

+ Vorräten

+ Geleisteten Anzahlungen

- (kurzfristigen) Verbindlichkeiten

- Erhaltenen Anzahlungen

Das Betriebskapital bewertet somit die Fähigkeit eines Unternehmens, seine kurzfristigen Verbindlichkeiten mit seinen kurzfristigen Vermögenswerten zu bezahlen, und gibt einen Hinweis auf die kurzfristige finanzielle Gesundheit der Firma. Auch die Fähigkeit, Schulden innerhalb eines Jahres zu begleichen, die Liquidität sowie die betriebliche Effizienz lassen sich hieraus ableiten. 

Die Bedeutung eines optimierten Working Capitals sowie dessen Einfluss auf beschriebene Faktoren zu kennen, kann gestandenen Unternehmen und vor allem auch Start-ups einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil am Markt verschaffen. 

Berechnung des Working Capitals

Das Betriebskapital wird mit Hilfe des aktuellen Verhältnisses berechnet, welches sich aus dem Umlaufvermögen geteilt durch die kurzfristigen Verbindlichkeiten ergibt. Ein Verhältnis über 1 bedeutet, dass das Umlaufvermögen die Verbindlichkeiten übersteigt. Allgemein gilt: je höher das Verhältnis, desto besser.

Als Formel kann man Folgendes festhalten:

Umlaufvermögen / Verbindlichkeiten = Working Capital

Ein gesundes Unternehmen verfügt demnach über ausreichend Kapazität, um seine kurzfristigen Verbindlichkeiten mit dem Umlaufvermögen zu tilgen. Das Verhältnis liegt hier also für gewöhnlich über 1 und bedeutet, dass die Vermögenswerte des Unternehmens schnell in Bargeld umgewandelt werden können. Je höher die Kennzahl, desto wahrscheinlicher kann ein Unternehmen seine kurzfristigen Verbindlichkeiten und Schuldverpflichtungen erfüllen. 

Ein höheres Verhältnis bedeutet auch, dass das Unternehmen sein Tagesgeschäft leicht finanzieren kann. Je mehr Betriebskapital ein Unternehmen hat, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es Schulden aufnehmen muss, um das Wachstum seines Unternehmens zu finanzieren. 

Ein Unternehmen mit einem Verhältnis von weniger als 1 wird von Investoren und Gläubigern als riskant angesehen, da es zeigt, dass das Unternehmen möglicherweise nicht in der Lage ist, seine Schulden zu decken, wenn dies erforderlich ist. Ein aktuelles Verhältnis von weniger als 1 wird als negatives Betriebskapital bezeichnet. 

Zielsetzung Working Capital Optimierung

Ziel der Working Capital Optimierung oder auch Erhöhung ist es, herauszufinden, wo genau Kapital gebunden ist und durch geeignete Maßnahmen frei gemacht werden kann. Als gebundenes Kapital versteht man solches, das nicht ohne aktive Maßnahmen sofort in Bargeld umgewandelt werden kann. 

Somit hat die Working Capital Optimierung und Erhöhung die Freisetzung gebundenen Kapitals zum Ziel, was auch neben der Liquidität auch die Bonität sowie das Rating von Unternehmen verbessert.

Zusammengefasst: Was ist Working Capital?

  • Das Betriebskapital ist das verfügbare Kapital, das ein Unternehmen für den täglichen Betrieb verwenden kann.

  • Das Working Capital gibt Auskunft über die Liquidität eines Unternehmens, seine betriebliche Effizienz und seine kurzfristige finanzielle Gesundheit.

  • Zur Berechnung des Working Capitals wird das Umlaufvermögen eines Unternehmens mit seinen kurzfristigen Verbindlichkeiten in ein Verhältnis gesetzt.

  • Unternehmen mit einem guten Verhältnis werden als weniger riskant empfunden und haben bessere Chancen bei Investoren und Co.

  • Bei der Optimierung des Working Capitals steht die Freisetzung gebundenen Kapitals zur Verbesserung von Liquidität, Bonität und Rating im Mittelpunkt.

5 Gründe, das Working Capital zu erhöhen

Je nach Business Model kann es unterschiedliche Gründe geben, vermehrt Fokus auf das Working Capital Management zu setzen und im Zuge dessen freies Kapital and damit Liquidität und Cashflow zu optimieren. Gründe können unter anderem sein: 

  • Saisonale Unterschiede im Cashflow

  • Erhöhte Kosten und finanzielle Verpflichtungen

  • Großeinkäufe und Lieferantenrabatte

  • Deckung projektbezogener Ausgaben

  • Verbesserung der Bilanzstruktur für Investitionsgespräche

Grund Nummer 1: Saisonale Unterschiede im Cashflow

Viele Business Modelle unterliegen saisonalen Fluktuationen, was sich auch in entsprechenden Schwankungen beim Cashflow widerspiegeln kann. Damit Unternehmerinnen in Zeiten geringeren Geldflusses handlungsfähig bleiben, den Betrieb aufrecht erhalten oder sogar in die Vorbereitung für die Hauptsaison gehen können, braucht es zumindest zeitweise ein Erhöhung des Working Capitals.

Unternehmen, die in der Lage sind, kurzfristig und flexibel Kapital frei zu machen, überbrücken saisonale Unterschiede deutlich besser und können in puncto Wachstum und zukünftige Investitionen sicher planen.

Grund Nummer 2: Erhöhte Kosten und finanzielle Verpflichtungen

Aktuell sieht man es insbesondere im produzierenden Gewerbe: Die Kosten für Rohstoffe und Material explodieren nahezu. Im Ergebnis müssen Produzenten teilweise mehr als das dreifache Kapital aufbringen, um die gleiche Menge Material für die Weiterverarbeitung einkaufen zu können. 

Dabei handelt es sich nicht um ein branchenspezifisches Phänomen. Vielmehr werden fast alle Firmen Zeiten haben, in denen zusätzliches Betriebskapital benötigt wird, um Verpflichtungen gegenüber Lieferanten, Mitarbeitenden und anderen Gläubigern zu finanzieren, während sie auf Zahlungen von Kundinnen warten. Rechtzeitig auf Working Capital Management zu setzen und zusätzliches Kapital freimachen zu können, ermöglicht es Firmen auch in Zeiten höherer finanzieller Verpflichtungen handlungsfähig zu bleiben. 

Grund Nummer 3: Optimierung von Einkäufen und Nutzung von Lieferantenrabatten

Die Erhöhung freier finanzieller Mittel kann aber auch anderweitig gewinnbringend eingesetzt werden. Durch Großeinkäufe oder rechtzeitige Materialbeschaffungen können Firmen Sonderkonditionen verhandeln oder attraktive Lieferantenrabatte wie Skonti nutzen. 

Hier lohnt sich ebenfalls eine kritische Überprüfung des eigenen Working Capital Managements und Möglichkeiten der Liquiditätssteigerung zu betrachten. 

Grund Nummer 4: Deckung projektbezogener Ausgaben

Gerade im Startup-Umfeld kommt es nicht selten zu projektbezogenen Ausgaben, die gedeckt werden müssen. So sind die jungen Unternehmen gerade in starken Wachstumsphasen, in denen auch das Team noch weiter aufgebaut wird, häufig auf freie Mitarbeitende und Agenturen angewiesen, um Projekte mit zusätzlichen Kapazitäten umsetzen zu können. 

Allerdings stellen diese zusätzlich eingekauften Kapazitäten für gewöhnlich einen entsprechend hohen finanziellen Aufwand dar, zu dessen Bewältigung ausreichend Liquidität vorhanden sein muss. Nicht immer wollen Startups dafür auf ihr Funding zurückgreifen. Eine Lösung kann auch hier das kurzfristige Freimachen gebundenen Kapitals sein. 

Grund Nummer 5: Verbesserung der Bilanzstruktur für Investitionsgespräche

Insbesondere im Start-up-Kontext sind Investitionen in vielsprechende Unternehmensmodelle und Produkte durch Venture Capitals und Co. an der Tagesordnung. Um jedoch das notwendige Kapital als Investitionsspritze in das eigene Wachstum zu bekommen und eine entsprechend große Finanzierungsrunde abzuschließen, müssen Start-ups ihre Zahlen nicht nur kennen, sondern auch stets optimieren, wo immer nötig.

Neben den klassischen KPIs rund um Kundenakquise schauen existierende sowie potenzielle Investoren jedoch auch auf die Finanzkennzahlen. Nicht zuletzt fällt dabei auch stets der Blick auf die Bilanzstruktur der jungen Unternehmen, insbesondere immer dann, wenn große Investitionssummen im Raum stehen. Schließlich wollen die Geldgeberinnen sicher sein, dass die Finanzierung auch in die richtigen Baustellen und Projekte investiert wird und das Start-up in der Lage ist, seine Finanzen „wie die Großen” zu managen. Dabei ist es vor allem entscheidend neben Burn Rate und Umsatzzahlen auch den Cashflow im Auge zu behalten und rechtzeitig Liquiditätsengpässen entgegen zu wirken. 

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In Vorbereitung auf Investitionsgespräche dient Working Capital Management der Verbesserung der Bilanzstruktur.

Wege zur Erhöhung des Working Capitals

Es gibt unzählige Möglichkeiten, das eigene Working Capital zu erhöhen. Bei der kurzfristigen Erhöhung des Working Capitals stehen vor allem folgende drei Themen im Mittelpunkt der Maßnahmen: 

  1. Lagerbestand und Inventar: Hohe Lagerbestände, Lagerflächen sowie viel Inventar binden Kapital, das nicht unmittelbar zur Verfügung steht. Eine Reduzierung von Lagerbestand und Inventar kann demnach das Working Capital erhöhen. 

  2. Forderungen: Auch offene Forderungen sind als gebundenes Kapital zu verstehen, das bis zur Begleichung der jeweiligen Forderungen nicht frei investiert werden kann. Eine Erhöhung des Geldflusses, indem Umsätze beispielsweise im Voraus kassiert werden, eignet sich ebenfalls zur Erhöhung des Working Capitals. 

  3. Verbindlichkeiten: Auch Verbindlichkeiten und ausstehende Zahlungen gegenüber Lieferanten, Partnerinnen und anderen Kreditoren spielen eine Rolle. Eine Verlängerung der eigenen Zahlungen sowie eine allgemeine Reduzierung bestehender Verpflichtungen dient ebenfalls der Erhöhung des Working Capitals.

Nicht alle drei Punkte, lassen sich schnell und unbürokratisch verbessern, wenn gerade Bedarf besteht. So ist beispielsweise die Reduzierung des Inventars oder von Wirtschaftsgütern im Allgemeinen meist leichter gesagt, als getan. 

Eine Möglichkeit wäre hier, auf sogenanntes Leaseback zu setzen, bei dem das erworbene Wirtschaftsgut wie Produktionsmaschinen oder Ähnliches verkauft und stattdessen von einem Leasinganbieter mietet. Allerdings bietet sich dieses Verfahren nicht gerade für jedes Unternehmen an und bringt zudem auch Nachteile mit sich. So entstehen hierdurch neue monatliche Kosten, die ebenfalls den Cashflow beeinflussen und deshalb häufig eher nur kurzfristig eine Optimierung darstellen. Außerdem verlieren Firmen durch diese Form der Kapitalumwandlung nachhaltig stille Reserven.

Factoring und automatisiertes Mahn- sowie Inkassowesen zur schnellen Optimierung des Working Capitals

Einfacher als den Lagerbestand, Inventar oder eigene Verbindlichkeiten zu reduzieren ist es, den eigenen Geldfluss zu optimieren. Dafür eignen sich neben Einkaufsfinanzierung, auch Factoring sowie die Automatisierung des Mahn- und Inkassowesens. Richtig eingesetzt, profitieren Start-ups und Unternehmen hier von Flexibilität, Zeitersparnis und planbarer Liquidität.

Factoring für stetigen Cashflow und sichere Liquidität

Gerade im B2B-Segment sind lange Zahlungsziele zwischen 30 und 90 Tagen gängig. Schließlich möchte man als Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben und der eigenen Kundschaft maximalen Komfort sowie Planbarkeit beim Thema Zahlung bieten. Die Umstellung von Rechnungskauf auf Vorkasse ist hier in den meisten Fällen nicht praktikabel.

Genau diese langen Zahlungsziele können jedoch auch zum Ärgernis werden und sich negativ auf das eigene Working Capital auswirken, insbesondere dann, wenn besonders hohe Rechnungssummen im Raum stehen. Die Lösung: Eine Vorfinanzierung offener Forderungen mittels Factoring. 

Dabei verkaufen Unternehmen ihre offenen Forderungen an einen Factoring-Anbieter und werden im Gegenzug sofort ausgezahlt. Das schafft schnelle Liquidität und Planbarkeit des eigenen Cashflows.

Lesetipp: Erfahren Sie im Interview mit CodeControl, wie unser Start-up-Kunde Factoring und Billie Flow für das Schließen von Finanzierungslücken nutzt.

Automatisiertes Mahn- und Inkassowesen zur Optimierung des Cashflows

Neben den langen Zahlungszielen im B2B kommt erschwerend hinzu, dass rund die Hälfte aller Rechnungen zu spät bezahlt wird. Das kann nicht nur zu Liquiditätsengpässen führen, sondern verursacht indirekt noch Kosten durch aufwendiges Mahn- und Inkassowesen. 

Hier auf eine automatisierte Lösung zu setzen, erspart Zeit und stellt sicher, dass überfällige Rechnungen sicher nachverfolgt werden. Zusätzlich fällt es Gründerinnen aus Angst Kunden womöglich zu vergraulen häufig sehr schwer, ein konsequentes Mahnwesen umzusetzen. Auch hier hilft ein professioneller und automatisierter Service.

In unserem Artikel "Mahnungen schreiben leicht gemacht" finden Sie Tipps zum Thema Mahnwesen sowie professionelle Vorlagen für Mahnschreiben.

Factoring und Mahnwesen mit Billie Flow

Mit Billie Flow bieten wir die Lösung für beides: Factoring sowie automatisiertes Mahnwesen. So können Sie sich auf Ihr Geschäft konzentrieren, während wir uns um Ihre Außenstände kümmern. 

Billies Vorteile: Als Start-up bieten wir B2B-Factoring ohne hohen bürokratischen Aufwand und den Gang zur Bank – komplett digital und ohne Mindestkontingente oder Vertragslaufzeit.

Sie entscheiden von Rechnung zu Rechnung, ob Sie unseren Service nutzen wollen, welcher auf Wunsch auch mit vollem Ausfallschutz und automatisiertem Mahn- und Inkassowesen erhältlich ist. Diese Flexibilität ist heute für viele Unternehmen ein großer Vorteil, den traditionelle Anbieter nicht immer bieten können. Gerade kleine bzw. junge Unternehmen, die bei anderen Anbietern nicht für Factoring oder Finanzierungskredite in Frage kommen, profitieren von diesem Angebot.


Klingt spannend?

Sie möchten mehr über Factoring erfahren oder sich direkt für digitales Factoring registrieren? Dann vereinbaren Sie einen Rückruf unter 030 - 311 99 251 oder registrieren Sie sich für Factoring mit Billie Flow.

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